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Doctor talking to the patient about menopause and treatment in future.

Eine erste wichtige Entscheidung auf dem Weg zur Praxisgründung ist die Finanzierung der Selbstständigkeit. Dabei steht für viele Ärzte die Frage im Vordergrund: Wie ist eine Praxisfinanzierung aufgebaut und bekomme ich überhaupt Geld für dieses Vorhaben?

Öffentliche Mittel 

Für die Darlehen Ihrer Praxis kommen in erster Linie öffentliche Mittel über die KfW Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) oder die Landesbanken in NordrheinWestfalen z. B. die NRW Bank) und ggf. bankeigene Mittel in Frage. 

Zu unterscheiden ist der sogenannte Investitionskredit für die langfristige Finanzierung und der Kredit zur Sicherstellung der Liquidität (Betriebsmittel- oder Kontokorrentkredit). Die öffentlichen Mittel werden immer über eine Bank (Hausbank) zur Verfügung gestellt. Das muss aber nicht zwangsläufig ihre bestehende Bankverbindung sein. 

Schritt 1: Ermittlung der Finanzierungshöhe 

Der Kaufpreis ist einer der Indikatoren für die Finanzierungshöhe. Zusätzlich sollte der Investitionsbedarf anhand weiterer anstehender Investments ermittelt werden (z. B. Anschaffung neuer Geräte, PC Anlage, Software, usw.). Der Liquiditätsbedarf für die laufenden Kosten ist der zweite wichtiger Indikator der Finanzierungsüberlegungen. 

Dies gilt besonders im ersten Jahr der Übernahme einer Praxis oder auch bei dem Eintritt in eine Gemeinschaft. Die Kosten laufen ab dem ersten Monat, doch die Zahlungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) oder die Privatliquidation kommen erst mit Abschlägen oder zeitlich verzögert. 

Schritt 2: Einordnung der persönlichen Finanzsituation

Die Finanzierung muss auf Ihre persönliche Situation abgestellt sein. Dabei ist unter u.a. zu beachten, ob Sie

  • eine eigene private Immobilie finanziert haben 
  • in Zukunft eine Immobilie finanzieren/erwerben wollen 
  • zukünftig weitere Investitionen für die Praxis vornehmen wollen 
  • der Einsatz von Eigenkapital/ Eigenmitteln geplant und sinnvoll ist 

Wichtig: Zinsabläufe und Tilgungsoptionen (Sondertilgungen) sind wichtige Merkmale, um die Rückzahlung der privaten Baufinanzierung zu beschleunigen. Denn die Zinsen im privaten Bereich haben keine steuerliche Relevanz, betriebliche Zinsen (Praxisfinanzierung) hingegen schon. 

Die wichtigsten Themen rund ums Praxismanagement werden auch auf dem erstmalig am 6. Juli 2019 in Dortmund stattfindenden Ärzte-Forum ,,Startup Praxis“ im Kollegenkreis diskutiert. Nicht nur Gründer sind eingeladen, sondern auch etablierte Praxisinhaber und solche, die es werden wollen. Weitere Informationen finden Sie unter www.startup-praxis.de 

Schritt 3: Wahl der passenden Finanzierungsform

Ihre individuelle Situation bestimmt die Wahl des Modells: sofortige Tilgung; Tilgungsaussetzung oder eine sogenannte Hybridvariante, bei der ein Teil des Darlehens getilgt und ein anderer Teil zur Tilgung ausgesetzt wird.

Die Finanzierung der Praxis ist auch immer auf die Abschreibung (AfA-Abschreibung für Abnutzung) der Praxis abzustellen. Dies bedeutet, dass die Praxisfinanzierung innerhalb von 8-12 Jahren zurückgezahlt werden sollte, um später – nach der Abschreibungsphase – nicht in eine ,,Steuerfalle“ zu tappen. 

Bei allen der oben genannten Modellen sollten Sie immer nach zehn Jahren in der Lage sein, die Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. Dabei kann Ihnen das Hybridmodell Flexibilität bei der Rückzahlung Ihrer privaten oder betrieblichen Darlehen liefern. 

Schritt 4: Erstellung eines Businessplans

Der Businessplan ist die Grundlage Ihrer Finanzierung und dient u.a. der Vorstellung der Finanzierung bei der Bank. Der Businessplan beschreibt Ihr Vorhaben und fügt die persönliche Situation und die Praxissituation zusammen. 

Anhand des Businessplans kann die Bank einschätzen, wie sich die Praxis in den ersten 3-5 Jahren entwickelt. Ebenso schafft er Gewissheit über Ihren Liquiditätsbedarf, der ggf. über den Betriebsmittelkredit bereitgestellt werden muss. Die Sicherstellung Ihrer Liquidität (u.a. für mittelfristige Praxisausgaben) entscheidet über das Fortbestehen der Praxis in den ersten 6-9 Monaten – bis zu den ersten Nachzahlungen der KV. 

Unterlagen für den Businessplan 

  1. Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) für das aktuelle Jahr 
  2. Gewinnermittlung der letzten drei Jahre 
  3. KV-Abrechnung der letzten zwölf Monate inklusive Regelleistung und Häufigkeitsstatistik 
  4. Anlagevermögen/aktuelles Inventarverzeichnis 
  5. Mitarbeiteraufstellung; Lohnjournal; Verträge 
  6. Mietvertrag 
  7. Persönliche Aufstellung der Einnahmen, Ausgaben und Verbindlichkeiten (Selbstauskunft)

Schritt 5: Vorstellung des Finanzierungskonzepts bei der Bank

Die Bank wird Ihren Businessplan prüfen und gegebenenfalls eigene Ideen einbringen. 

Wichtig: Sie begegnen der Bank auf Augenhöhe. Im besten Fall können Sie unterschiedliche Banken anfragen und Angebote vergleichen. 

Mit welcher Bank Sie letztendlich arbeiten, bleibt Ihnen überlassen. Auch hier gibt es keine generelle Aussage. Die Bank sollte aber in jedem Fall Erfahrungen im Umgang mit Ärzten und Medizinern nachweisen. 

Sicherheiten für die Bank

Diese Sicherheiten darf eine Bank für die Absicherung einer Praxis fordern: 

  1. Todesfallschutz in Höhe der Darlehenssumme 
  2. Kaufpreis Abtretung (Praxisverkauf) 
  3. Abtretung der KV Ansprüche Alle anderen Sicherheiten (z. B. Grundschuld Immobilie, Ehegattenbürgschaft, zusätzliche Abtretung eines Guthabens/Depot etc.), sind ggf. in Einzelfällen notwendig, aber generell nicht nötig. Sollte Ihnen nur zur Zinsverbesserung ein solches Angebot gemacht werden – Finger weg! 

Checklisten und weitere Erklärungen dazu können unter info@buinsiessdoc.online angefordert werden.

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